Neues Assessment-Modul «BAL»
Die Trennung von Behandlung und Beurteilung ist ein strate-
gisches und mittlerweile weit fortgeschrittenes Projekt der
Rehaklinik Bellikon, das alle medizinischen Fachbereiche
betrifft. Kernziel ist, die Zusammenarbeit des Patienten mit
seinen behandelnden Ärzten und Therapeuten von der ver-
sicherungsmedizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
zu entflechten. Hier bietet unser Zentrum für Begutachtung
als unabhängige Stelle die gewünschte Entlastung. Diese
Trennung hat sich seit 2013 schrittweise angebahnt und
wurde 2015 in der Begutachtung definitiv vollzogen. Von
Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch das von unse-
rem Fachbereich 2015 neu entwickelte Kerninstrument «Be-
urteilung der arbeitsbezogenen Leistungsfähigkeit» (BAL).
Dieses Assessment-Modul schafft die Möglichkeit, auf fach-
lich höchstem Niveau und in kurzen Fristen eine strukturierte
Abklärung bezüglich Rehabilitationsziel und Arbeitsfähigkeit
vorzunehmen. Es gewährleistet bei Bedarf ein kurzfristiges
Assessment – idealerweise noch während des stationären
Aufenthalts eines Patienten in den medizinischen Fachabtei-
lungen unserer Klinik. Sinnvoll ist dies namentlich bei Patien-
ten, die nicht bereit sind, in der Rehabilitation ihren Beitrag
zu leisten – womit die Grundlage für eine gemeinsame Ziel-
vereinbarung und für den Therapieerfolg fehlt. In einzelnen
Fällenwird dieses neue Angebot dazu führen, dass Therapie
plätze für Patienten frei werden, die von einer Rehabilitation
profitieren können. Das Assessment-Modul «BAL» ist 2015 in
der Pilotphase angelangt. In einem nächsten Schritt stehen
Pilotprojekte in Zusammenarbeit mit den medizinischen
Fachbereichen der Klinik an, bevor wir das neue Schlüssel-
instrument definitiv implementieren. Geplant sind danach
eine wissenschaftlich fundierte Evaluation, Standardisierung
und Validierung dieses Angebots.
Qualitative Weiterentwicklung
Als wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der Begut-
achtungsmethodik setzt unser Fachbereich im Geschäfts-
jahr 2015 ein Instrument nach ICF «International Classifica-
tion of Functioning» der Weltgesundheitsorganisation (das
sogenannte «Mini-ICF») auch bei der interdisziplinären Beur-
teilung der Arbeitsfähigkeit zusammen mit Ärzten, Psycholo-
gen und Therapeuten ein. Dies führt zu einer weiteren Ver
tiefung des interdisziplinären Ansatzes. So umfasst der
Gutachtenprozess neu mindestens zwei ausführliche Be-
sprechungen, bei denen alle involvierten medizinischen
Fachrichtungen sowie die paramedizinischen Spezialisten,
welche die arbeitsbezogenen Assessments machen, mit ein-
bezogen sind. Die versicherungsmedizinische Beurteilung
wird damit von Beginn an in interdisziplinären Teams unter
Beizug aller involvierten Parteien erarbeitet, ein Ansatz, der
in dieser Ausprägung einzigartig ist. Er führt zu hoher Gültig-
keit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse, aber natürlich auch
zu einem erhöhten Aufwand. Gleichzeitig stärkt er die Posi-
tion unseres Fachbereichs als Anlaufstelle für sehr komplexe
Fragestellungen, welche nur aus einer interdisziplinären
Optik zu bewältigen sind.
Dr. med. Gerhard Ebner, M.H.A.
Medizinischer Leiter Zentrum für Begutachtung
«Die objektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Zweifelsfällen
dient allen: Sie dämmt Versicherungsmissbrauch ein und
schafft Akzeptanz für ein System, das sich um Lösungen für die
wirklich Betroffenen bemüht.»
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